Monolog 01

Ich hab dich vermisst.

Ich hab dich vermisst.

Vermutlich, wahrscheinlich, und ich weiß nicht genau; aber eben vielleicht das erste Mal. Das erste Mal der Wunsch, dass du noch da sein sollst, damit ich dir etwas zeigen kann. Ich weiß nicht, wie viele Jahre du weg bist, aber plötzlich ist es doch da.

Natürlich nicht direkt, aber eben doch plötzlich – umso erstaunlicher. Dass der kleine Junge, und irgendwie auch der große Junge, sich so dafür interessieren. Zum ersten Mal stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn du noch da wärst. Und mit ihnen vor dem Instrument sitzen würdest. Ich habe mich gefragt, ob ihr euch da finden könntet und ob ich, als stiller Beobachter, mehr oder weniger nah, vielleicht auch von ganz weit weg, diese Szene beobachte.

Es hätte mich gefreut, wenn sie dich mit dem Instrument hätten sehen und kennenlernen können, so wie ich dich einst damit kennengelernt habe. Sicherlich habe ich dir nie gesagt, wie viel es mir bedeutet hat, zuzuhören und dies zu erleben. Nicht, dass ich es nicht schon immer wusste, aber so bekam diese Erinnerung plötzlich wieder Kontur. Und ob und wie es dich hätte freuen können zu sehen, dass deine Enkel ein Interesse an dem haben. Enkel, die du nie hast kennenlernen können – in dieser Welt.

Es hat etwas Versöhnliches, wenngleich alles unendlich weit scheint. Denn vermutlich lebst du nur noch in wenigen Erinnerungen, und das fühlt sich nicht fair an. Nur noch ein Hauch, ein Windstrich. Aber vielleicht kannst du es nehmen als Versöhnung, die es nie gab.